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11. September 2026

Weiterentwicklung der Agrarpolitik: AP 2030+

Der Bundesrat will mit der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) die Ernährungssicherheit der Schweiz erhöhen. Er will dazu die Rahmenbedingungen so anpassen, dass Landwirtinnen und Landwirte mehr unternehmerischen Handlungsspielraum erhalten und ihre Wertschöpfungspotenziale besser nutzen können. Gleichzeitig sollen die Akteure der Land- und Ernährungswirtschaft sowie die Konsumentinnen und Konsumenten mehr Verantwortung für ein ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltiges Ernährungssystem übernehmen.

Agrarpolitik Agrarpolitik 2030+ Ernährungssicherheit Schutz der Kulturen Vernehmlassung

Um den Paradigmenwechsel einzuleiten, schlägt der Bundesrat Massnahmen in vier Bereichen vor:

  • Mehr Handlungsspielraum und weniger Administration, etwa durch ergebnisorientierte Direktzahlungen und Nutzung der Potenziale der Digitalisierung.
  • Bessere Marktbedingungen, u. a. dank einer Stärkung der Marktbeobachtung und der Selbsthilfemassnahmen sowie einer Erhöhung der Milchzulagen.
  • Stärkung der Produktionsgrundlagen und der Ressourceneffizienz beispielsweise mit der Umsetzung der Strategie für einen nachhaltigen Schutz der Kulturen 2035 und der Förderung besonders nachhaltiger Technologien.
  • Mehr Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wie etwa Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel.

science­industries unterstützt die Weiterentwicklung der Agrarpolitik in die vom Bundesrat skizzierte Richtung und erwartet einen substantiellen Effizienzgewinn in diversen Bereichen. Insbesondere sollen die Eigenverantwortung des Agrar- und Ernährungssektors gestärkt, Innovationen gefördert und die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Nahrungsmittelproduktion verbessert werden. Dafür braucht es einen konsequenten Abbau administrativer Hürden, die diesen Zielsetzungen zuwiderlaufen.

Besonders im Bereich Pflanzen­schutz und Pflanzenzüchtung müssen Zulassungsverfahren beschleunigt, vereinfacht und stärker innovationsfreundlich ausgestaltet werden. Die bereits beschlossene Parlamentarische Initiative 22.441 «Modernen Pflanzen­schutz in der Schweiz ermöglichen» weist in die richtige Richtung: Die Schweiz soll nicht nur beim Widerruf, sondern auch bei Neuzulassungen stärker auf Entscheide der EU und ihrer Mitgliedstaaten abstellen können, damit neue Lösungen rascher für die Praxis verfügbar werden.

Eine zukunftsfähige Agrarpolitik muss den nachhaltigen Schutz der Kulturen als strategische Aufgabe verstehen. Dazu gehören die rasche Bearbeitung der Zulassungsgesuche für neue Pflanzen­schutzmittel, die Förderung neuer Schutzmethoden sowie der gezielte Einsatz moderner Technologien für präzise Pflanzen­schutzmittel-Applikationen. Ohne funkionierenden Pflanzen­schutz ist ein nachhaltiges Ernährungssystem nicht möglich. Der Einsatz hochwirksamer, innovativer und moderner Mittel ist der Schlüssel zur pflanzlichen Produktion und zur Stärkung der Ernährungssicherheit.

science­industries begrüsst zudem Ansätze, welche die Branche stärker in die Verantwortung nehmen: Dazu zählen ein gemeinsames Nachhaltigkeitsindikatorensystem, freiwillige und sichere Datenräume der Land- und Ernährungswirtschaft sowie digitale Dienste für Zeitreihen, Benchmarking und datenbasierte Weiterentwicklung. Voraussetzung ist, dass solche Instrumente subsidiär unterstützt, praxistauglich ausgestaltet und nicht zu zusätzlicher Bürokratie führen.

Auch die Stärkung von Beratung, Wissenstransfer und ergebnisorientierter Förderung ist sinnvoll, sofern sie konsequent auf Wirkung, Innovation und betriebliche Umsetzbarkeit ausgerichtet wird.

Die Agrarpolitik muss umfassend über alle Verwaltungseinheiten hinweg gedacht und entwickelt werden. Pflanzen­schutz, Pflanzenzüchtung, Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz, Datenbewirtschaftung, Beratung und Innovationsförderung dürfen nicht isoliert reguliert werden, sondern müssen kohärent auf Ernährungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet sein.

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